SEO mit Likes                                                                                                                    Follow | Suche

Social SEO: Warum Faceboogeln bald im Duden steht

Startseite  >  Social Media  >  Social SEO

In der deutschen SEO-Szene war in den letzten 14 Tagen oft über den „Social Graph" und die Frage, ob er die Verlinkung von Webseiten als Rankingfaktor ergänzen oder gar verdrängen wird zu lesen - so etwa bei Sistrix, SEO-United und Ranking-Check. Und letzten Freitag haben etliche Blogs gepostet, dass Facebook jetzt auch externe Webseiten mit Like-Button (inkl. der Zahl der Likes) in den Suchergebnissen anzeigt und mögliche Auswirkungen aufgezeigt - so zum Beispiel t3n, Netzwertig, BasicThinking und SEO-United.

 

Veränderungspotenzial durch Social Graph wird unterschätzt

Das riesige Veränderungspotenzial der „Social Likes", sowohl für Website-Betreiber als auch für Suchmaschinenoptimierung als Tätigkeit UND Branche, wurde in den meisten der genannten Artikel - aus meiner Sicht - zutreffend erkannt. In nicht wenigen der Kommentare wurden die sich - in meinen Augen - glasklar abzeichnenden Auswirkungen hingegen teils (so hat es den Anschein) wirklich nicht gesehen oder (mehr oder weniger offensichtlich) pfeifend im Walde kleingeredet.

 

Argumente contra Social Graph sind nicht stichhaltig

Gegen die Brauchbarkeit der Social Likes für gute bzw. bessere Suchergebnisse wird häufig ins Feld geführt, dass a) sie leicht manipulierbar sind, b) viele Themen bzw. die entsprechenden Websites nicht „sexy" genug sind, um „geliebt" zu werden und c) Google sich wohl kaum von Facebook abhängig machen werde. Ich bin hingegen der Ansicht, dass Social Likes (in Kombination mit anderen Faktoren) als Datenbasis für relevante und beliebte Suchergebnisse schon bald besser geeignet sein werden als Links bzw. Backlinks und Google an dieser Tatsache nicht vorbeikommen wird. 10 Gründe, warum ich daran glaube, dass Social Likes die Suche grundlegend ändern werden:

 

1) Liken ist leichter als linken

Voraussetzung für eine Empfehlung per Like ist, im Gegensatz zu einer Empfehlung per Link (und ich meine „echte" Links, nicht „Social Bookmarks"), weder eine eigene Website noch die Kenntnis, wie man (richtig) verlinkt. Verlinken können nur wenige, einen Knopf drücken (und sich in ihrem Facebook-Profil anmelden), können aktuell immerhin schon 500 Mio. Menschen weltweit. Die Facebook-Nutzer entsprechen auch zunehmend dem Bevölkerungsdurchschnitt - nur 20- bis 30-Jährige war einmal.

2) Es gibt (bald) mehr Likes als Links

Warum sind Liga-Pokalspiele zwischen erst- und unterklassigen Mannschaften (dito WM-k.o.-Spiele) gerade im Fußball so spannend? Weil weit weniger Tore fallen als z. B. beim Handball oder Basketball. Je weniger Tore, desto häufiger gibt's überraschende, nicht leistungsgerechte Ergebnisse. Johannes von Sistrix sagte in seinem Artikel schon: Auf 2-3 Links kommen mindestens zehnmal so viele Likes. Muss ich noch mehr dazu sagen?

3) Likes tun weniger weh als Links

Durch externe Links verliert eine Website an Linkkraft und ab einem gewissen Grad auch an Ranking, was zu Linkgeiz und überwiegend strategischer Verlinkung führt. Likes „kosten" den Empfehlenden nichts, werden spontan(er) vergeben und dürften damit im Durchschnitt sogar ehrlichere Empfehlungen sein als Links. Oder andersrum gefragt: Wenn Saubermänner (wie Medienseiten) auch Schmddelkinder (wie Kreditvermittler) verlinken, wenn nur der Preis für die Empfehlung stimmt, wie viel sagen solche Links - die ja durchaus redaktionell verpackt und dadurch stark ranking-relevant werden können - dann über die wirkliche Wertschätzung für die Zielseite aus?

4) Social Likes werden schnell beliebter

Dass die Facebook-Suche - in Themenbreite und Ergebnistiefe - aktuell nicht annähernd mit der von Google konkurrieren kann, heißt überhaupt nichts. Falls Facebook - dank der Likes - alles in allem auf aussagekräftigere Daten für die Bewertung von Webseiten zurückgreifen kann als Google, können auch die Facebook-Suchergebnisse über kurz oder lang beliebter werden als die von Google. Wie Gretus von SEO-United schon sinngemäß sagte: Wenn Website-Betreiber mit Like-Button zunehmend Traffic von Facebook bekommen, werden immer mehr Websites den Button einbauen. Die Datenbasis wird breiter, die Suchergebnisse werden besser, die Nutzung nimmt zu, der vermittelte Traffic wächst weiter und die Spirale bleibt intakt.

5) Likes liefern wertvolle Zusatzinformationen

Social Likes liefern auch deshalb eine hochwertige Datenbasis für Ergebnisempfehlungen, weil sie anonymisiert UND personalisiert eingesetzt werden können. Wenn Facebook mir bei meiner Suche etwa nach jQuery Navi Slider im Extremfall nur eine Seite anbietet, die t3n und/oder Dr.Web, deren Fan ich bin, per Like empfohlen haben, werde ich mit dem Ergebnis (mit Blick auf die inhaltliche Qualität UND den Zeitbedarf für das Finden bzw. Auswählen) vermutlich zufriedener sein als bei der Google-typisch algorithmus-sortierten Linklisten-Ausgabe. Ich müsste noch nicht einmal in direkter Verbindung mit dem Empfehler stehen: Es würde vermutlich schon ausreichen, wenn jemand, der eine relative große Überschneidung bezüglich der Likes und Dislikes mit mir hat, nachdem er nach jQuery Slider gesucht und auf besagten Link geklickt hat, nicht mehr zur Suche zurückgekommen ist.

6) Der Siegeszug der Likes lässt sich nicht aufhalten

Mit welchem Gewicht die Facebook-Likes in die Sortierung von Suchergebnissen einfließen und in welcher Form diese dargestellt werden? Ob Facebook seine Suche auch außerhalb der bisherigen Plattform (-> ohne Registrierung bzw. Login) anbietet und damit Google noch mehr auf die Pelle rückt? Ob Facebook die Like-Daten exklusiv nutzt oder auch an Google & Co. weitergibt? Wer will und kann das jetzt schon wissen? Aber spricht das gegen die Likes? Auch wenn das System mit zur Suche passenden Anzeigen neben und später auch über den Suchergebissen so genial einfach wie erfolgreich ist, dass es scheint, als habe Google die Suche gebaut, um mit den Anzeigen zu verdienen: Wir alle wissen, dass es umgekehrt war und dass Google die ersten Jahre eine vollkommen werbe- und umsatzfreie Zone war. Was ich sagen will: Die Likes haben enormes Potenzial und werden sich ihren Weg bahnen. Auch Datenschutz-Bedenken werden die erfolgreiche digitale Adaption des uralten „Word of Mouth"-Prinzips nicht aufhalten können.

7) Social Likes liefern auch beliebtere Anzeigen

Das Prinzip der Likes ließe sich sogar auf (Facebook-) Anzeigen übertragen. Wessen Landeseite bzw. Angebot keine Likes (oder gar mehr Dislikes als Likes) vorzuweisen hat, wird kaum geklickt bzw. von Facebook aus der Ergebnisanzeige gekickt - oder zumindest mit prohibitiven Klickpreisen bestraft. Natürlich würde das Manipulationen noch attraktiver bzw. lukrativer machen, aber ...

8) Wer manipulieren will, muss sich schlau anstellen

Bei dem Potenzial, das sich abzeichnet, bin ich mir sicher, dass Facebook viel Kopf und Kohle in die Eindämmung von Manipulationen investieren und probate Mittel und Wege finden wird. Es wird vermutlich ein ewiges Wettrennen geben, wie bei den Themen automatisiertes Linkbuilding, Link-Netzwerke und Linkbuying - aber der Vorsprung der „Manipulatoren" wird nie uneinholbar groß werden. Ich bin überzeugt, dass Like-Inzucht bzw. „Liebesnester" sich letztlich genauso leicht aufdecken und ausheben lassen wie Link-Netzwerke.

9) Geliebt wird nicht nur, was sexy ist

Ich sehe auch nicht, warum Likes gegenüber Links im Nachteil sein sollten, nur weil die Likes sich in einigen Bereich häufen und andere Themen weniger „sexy" sind. Ist das bei Links nicht genauso und geht es nicht um die RELATIVE Stärke der einen Seite gegenüber einer anderen aus DEMSELBEN Themen- bzw. Keyword-Bereich? Sogar ältere Seiten haben (wenn sie nur besucht werden) noch gute Chancen, per Like empfohlen werden, wohingegen ältere Seiten - ohne signifikantes Update - eher selten zusätzliche Links bekommen. Hanns Kronenberg (SEO-Strategie) fragte rhetorisch bei Sistrix: „Wer twittert denn schon über Hämorrhoiden?" Tatsache ist: Auch über Tabu-Themen wird getwittert - teilweise sogar mit sehr seriösen Linkverweisen: Sehen Sie selbst
Übrigens: Auch die Timeline für andere weit weniger sperrige und damit "tweetigere" Wörter rauscht nicht gerade durch, so zum Beispiel für Linkbait.

10) Google hat die "Power of Likes" erkannt

Das stärkste Argument für die „Sprengkraft" der Likes ist für mich, dass Google die Gefahr eines Angriffs durch eine Art social Likes auf die Links (als relevantester Rankingfaktor) anscheinend schon kommen sah und versucht hat, sich mit Google Buzz und der Integration der Echtzeitergebnisse so gut es geht zu wappnen. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Werbung sinnvoll in die Streams integriert werden kann. Der Social Stream ist meines Erachtens in 1. Linie Google's "What's hot & liked"-Radar (wer den richtigen Leuten folgt bzw. deren Fan ist, für den ist der Google-Stream - zumindest mit Blick auf das Hauptinteressengebiet - sowieso verzichtbar) und wird zunehmend Einfluss auf das Standard-Ranking haben - auch wenn das Merkmal "im Trend" nicht annähernd so relevant ist wie „empfohlen von Freunden". Aber über diese Information im (zunehmend) großen Stil verfügt eben nur Facebook. UPDATE: Seit 13. Oktober hat Bing Zugriff auf die Facebook-Likes und ist damit einen großen Schritt  in Richtung Social Search gegegangen.

 

 

 

Diesen Artikel verlinken? Einfach Code im Fenster kopieren - und dann z. B. im eigenen Blog einfügen:

Der Link sieht dann so aus: 10 Gründe für einen Schwenk zu Social SEO (Der Linktext ist variabel.)

 

Also, wer will darauf wetten, dass Faceboogeln - als Synonym für Googeln bzw. für die Internetsuche allgemein - nicht in spätestens 3 Jahren im Duden steht? Wer glaubt, dass Social Likes - mit Blick auf Search und Ranking - ein Strohfeuer sind? UPDATE 02.12.2010 Welche Social Signals Google wertet

 

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • daniel (Monday, 28. June 2010 14:11)

    Die Likebuttons sind einfach viel zu leicht zu manipulieren. Einfach per javescript die position der Mausdaten auslesen, und den unsichtbaren Linke-frame an dieser Stelle anzeigen. Und schon wird deine Seite von fast allen Besuchern geliked.

  • Sean Kollak (Tuesday, 29. June 2010 09:51)

    Likes sind nicht nur leichter, sondern auch beliebiger. Wird das Web damit nicht wieder oberflächlicher?

  • Seite 1 (Admin) (Tuesday, 29. June 2010 12:51)

    @Sean & Daniel: Natürlich kann keiner wissen, wie es mit Likes vs. Links (als Rankingfaktor und auch als Trafficdriver losgelöst von Ergebnis-Rankings) weitergeht. Aber das Interesse an bzw. Potenzial von "Social Likes" ist ja nicht nur auf Seiten der Website-Betreiber groß, sondern - speziell wegen der Möglichkeit der "persönlichen" Gewichtung von Suchergebnissen - auch bei Social Networks und Suchmaschinen mit Blick auf den "normalen" Internet-User. Daher denke ich, dass sowohl von Facebook als auch Google (siehe aktuelle News zu Google Me) schon bald probate Mittel und Wege gefunden werden, um den Social Graph zu aller Vorteil noch viel stärker zu nutzen.

  • Marco Ziesing (Tuesday, 29. June 2010 14:44)

    Und irgendwann ist Facekook DER Single Point of Failure!? Entwickler durften ja die letzten Wochen schon viel Spaß mit FB haben. Ehh, nein danke! ;-)