Über Suchmaschinenoptimierung (SEO)
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Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist keine Raketenwissenschaft. Oft kann etwas Nachdenken über Google & Co. sowie die Spezifika der eigenen Webseiten selbst langjährige SEO-Erfahrung zumindest teilweise ersetzen. Mit anderen Worten und provokativ formuliert: Selbst wenn es ein Leben lang dauert, die SEO-Theorie perfekt in die Praxis umzusetzen - die SEO-Grundlagen sind sehr schnell verstanden (komplexe Shops bzw. Websites mit extrem vielen Seiten bzw. vielen Sprechen mal ausgenommen).
Warum SEO-Erfahrung nicht unersetzlich ist
Warum ist SEO-Erfahrung für gute Google-Rankings (und hohe Conversion Rates) nicht unerlässlich? Weil niemand den Google-Algorithmus (die Variablen und deren Gewichte) kennt. Weil die Algorithmen
ständig verbessert werden (den User besser abbilden) und SEO-Erfahrungen deshalb schnell veraltet sein können. Und weil die Algorithmen „selektiv dynamisch" sind und SEO-Erfahrungen deshalb auch
nicht 1:1 von einem Projekt auf ein anderes übertragen werden können.
Vergegenwärtigen wir uns also lieber, was Google WIRKLICH will. Google möchte, dass möglichst viel gegoogelt UND dabei so oft wie möglich auf die bezahlten AdWords-Anzeigen - rechts neben bzw. über
den „kostenlosen" Suchergebnissen - geklickt wird. Denn die AdWords-Einnahmen machen immerhin 98% der Google-Umsätze aus.
Welche übergeordneten Ziele Google verfolgt
OK, wenn das mein Ziel wäre, würde ich dann wollen, dass Webseiten mit vielen externen Links zugepflastert werden, damit meine Suchspider wertvolle Zeit verlieren, um allen hinterherzulaufen?
Würde ich die knappe Zeit nicht lieber für die Aktualisierung des Seitenindex sowie für's Aufspüren und Einblenden von News nutzen und auf diese Weise die Relevanz der Ergebnisse bzw. deren
Attraktivität für die Nutzer steigern? Vermutlich schon - deshalb liebt Google ja auch schnell ladende Webseiten! Wenn wir die Frage nach der Ranking-Relevanz externer Links auf diese Weise
beantworten, sind wir schonmal weiter als die gesamte SEO-Welt, die das Thema "optimale Menge" bereits seit Jahren sehr kontrovers und ohne greifbares Ergebnis diskutiert.
Das liegt natürlich auch daran, dass Google einerseits schreibt, dass 100 Links das Maximum seien, andererseits aber - siehe oben - Webseiten bzw. Websites „selektiv dynamisch" beurteilt und sich
deshalb aus der reinen Beobachtung kein klares Bild bzgl. der Frage, ob und wenn ja wie viele (interne und) externe Links pro Seite „gut für Google" sind, gewinnen lässt. Also zum Thema "optimale
Menge externer Links" besser keinen SEO fragen (10 SEOs, 10 Meinungen!), sondern lieber gut überlegen (oder noch besser austesten), ob zusätzliche Links für die menschlichen Besucher der jeweiligen
Seite bzw. Site (und natürlich die eigenen Ziele) hilfreich sind - oder eher nicht.
Warum SEO-Experten oft nicht einer Meinung sind
Eine andere „Never-Ending-Story" im Sinne von der Eine sagt so, der Andere so: Begriffe bzw. Keywords in der Domain mit Bindestrich trennen oder zusammenschreiben? Glauben Sie, dass Google Sie
ohne Bindestriche weniger mag? Klar, Google muss die einzelnen Wörter erkennen können - was in der Regel funktioniert. Ein Beispiel: Bei der Suche nach Suchmaschinenoptimierung Tipps wird
die Domain Suchmaschinenoptimierungstipps.de so angezeigt, dass nur das s zwischen den Suchbegriffen mager ist. Also können Sie auch diese Frage offensichtlich aus
Usersicht beantworten - und müssen sich nicht gesondert um SEO scheren.
Ein weiteres ungelöstes SEO-Rätsel: Ranken de-Domains in Deutschland ad hoc besser als andere Domainendungen (Toplevel-Domains)? Viele SEOler sagen ja. Wir fragen uns: Gilt bei Google wirklich „Wer
zu spät kommt, den bestraft das Leben"? Soll heißen: Wer sich nicht rechtzeitig die passende de-Domain gesichert hat, bietet mit höherer Wahrscheinlichkeit keine guten bzw. relevanten Inhalte
an?
Hat das Domainalter nicht schon genügend Gewicht? Google will zwar relevante, aber keine statischen Rankings (d. h. die Suche eines Users mit identischen Begriffen zu einem späteren Zeitpunkt soll
nicht unbedingt zu unveränderten Ergebnissen, künftig geringerer Nutzung und insgesamt weniger AdWord-Klicks führen). Zugegeben: Manche Endung macht aus Usersicht weit weniger her als .de. Aber das
sagen wir ja die ganze Zeit: User first, SEO second!
Warum Google immer besser bzw. "menschlicher" wird
Google wird immer besser im Imitieren menschlicher Sichtweisen. Aber selbstverständlich ist Google nach wie vor nicht in der Lage, die Qualität von Inhalten (direkt) zu beurteilen, und muss
deshalb eine Webseite bzw. -site ein wenig abtasten (OnPage-Faktoren), längere Zeit beobachten (Sandbox etc.) und sich auch auf Feedbacks (Backlinks) von anderen verlassen. (Ob dieses Feedback
dadurch weniger wert ist, dass der Betreiber z. B. eines Social Networks für ausgehende Links den Bots „nofollow" vorschreibt oder dass zwei Websites - nicht Webseiten und nicht zum selben Zeitpunkt
- reziprok verlinkt wurden, sind andere spannende Fragen.)
Wo „Google's Umwege" Ranking-Manipulationen ermöglichen, muss Google natürlich immer wieder zusätzliche Checks einbauen, die unter Umständen von der menschennahen Betrachtungsweise wieder etwas
wegführen. Und auch nicht alles, was Google gerne in die Bewertung einfließen lassen würde, kann automatisiert erfasst bzw. algorithmisch berücksichtigt werden.
Was das für die Suchmaschinenoptimierung bedeutet
Trotz dieser Einschränkungen raten wir, sich in allen SEO-Zweifelsfragen immer zu vergegenwärtigen, a) was Google WIRKLICH will (auch wenn Google das nie offen ansprechen wird und sein Sprachrohr
Matt Cutts sicher nicht selten sogar falsche Fährten legen lässt, um den tatsächlichen Beweggrund - nämlich mehr AdWord-Klicks - zu verschleiern sowie Ranking-Manipulationen zu erschweren) und
b) was aus der Sicht eines Users aus Ihrer Zielgruppe vorteilhaft wäre.
Natürlich wissen wir, dass viele SEOs bei der Lektüre dieser Zeilen aufschreien und das eine oder andere Rätsel an dieser Stelle auflösen wollen werden. Grundsätzlich gerne! Aber bitte mit logischer
Begründung, besser noch mit schlagendem Beweis. Dabei bitten wir zu bedenken, dass erstens ein (multikausales) Ranking bzw. ein SERP-Snapshot niemals (monofaktoriell, also mit Blick nur auf den
Seitentitel oder die Domain bzw. URL) aussagekräftig sein kann und zweitens ein kleiner Algo-Tweak die Welt morgen schon wieder anders aussehen lassen könnte.
Freiwillige vor: Wir freuen uns über kontroverse Kommentare und auf eine erhellende Diskussion! Interessieren würde uns auch, ob unsere Theorie, dass die Google-Suchergebnisse zwar gut, aber
absichtlich weniger perfekt als für Google machbar sind, damit User nach einer Suche (möglichst mehrfach) zu den SERPs zurückkehren, um die AdWords-Klickquote zu erhöhen, unterstützt wird.
Schweigen werten wir selbstbewusst als Zustimmung ;-)
2 Kommentare (Diskussion geschlossen)
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#1
Kompliment für diesen tollen und kontroversen Beitrag, der sicherlich zu vielen Diskussionen anregt. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll!
Wenn Google 98% seines Umsatzes mit AdWords macht, sollte der Vorstand schnell weitere lukrative Einnahmequellen erschließen. Eine solche Abhängigkeit kann für ein Unternehmen nicht gut sein!
Vor allem die These SEO durch "Nachdenken über Google & Co" finde ich sehr gut. Ich bin im IT Umfeld als Program Manager unterwegs und sage auch immer wieder: Gesunder Menschenverstand anwenden und nicht immer stur irgendwelchen Methoden folgen. Das hilft!
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Google durchaus Webseiten mit AdSense Werbung bevorzugt. Es ist doch geradezu ideal für Google, wenn entweder direkt in den SERP's auf die AdWords Anzeigen geklickt wird oder alternativ wenigstens über den Umweg "AdSense Webseite" (da verdient Google ja auch mit). Alles andere wäre ja auch bescheuert aus Unternehmenssicht! Ich glaube aber auch, dass Google aufpassen muss. Das ganze darf auch nicht zu sehr überstrapaziert werden. Sonst wechseln die Surfer auch schnell mal zu anderen Suchmaschinen. Auch weil dort evtl. Seiten in den SERP's erscheinen, die wirklich gut sind, zum Keyword passen und bei Google durch's "AdWords Sieb" fallen. Ein solches langfristiges Abwandern wäre der Supergau für Google. Deswegen glaube ich: Bevorzugung von AdWords / AdSense Seiten --> Ja, aber mit Bedacht und sehr sehr vorsichtig! -
#2
Ein gut durchdachter Bericht muss man sagen. Leider wurde das Google Branchencenter nicht angesprochen, welcher jedoch in der Relevanz eine große Rolle spielt.
Nun möchte ich aber an einem Beispiel (meine Domain www.frankie.cc) beschreiben, dass nicht unbedigt der Domainname das Mainkeyword beinhalten, und schon gar nicht eine .de Domain sein muss.
Da ich in der Region München als mobiler DJ tätig bin, optimiere ich regelmäßig die Domain auf die Keys: "DJ München, DJ München Hochzeit, DJ Hochzeit München". Mit zeitweiligen Schwankungen belege ich bei der Abfrage immer Platz 1 oder 2. Ich muss zugeben, dass die Domain 11 Jahre alt ist und der Inhalt immer wieder aktualisiert wird. Was ich aber bemerkt habe, dass bei anderen Suchmaschinen wie Bing oder Yahoo, der Domainname eine weitaus größere Rolle spielt.
Aber wie bereits zu Beginn gesagt, ein wirklich sehr gut geschriebener Bericht. Ich werde immer wieder hier reinschauen.