33 Webprojekt Tipps: Konzept, Onpage SEO, Linkaufbau
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Thomas Graf ist selbstständiger Web-Unternehmer und beschäftigt sich vorwiegend mit Website-Konzeption und ganzheitlicher Website-Optimierung. Auf seinem Blog Pixelfolk schreibt er seit dem Jahr 2007 regelmäßig über Themen aus den Bereichen Website-Management und Internetökonomie.
1) 3 wichtigste Punkte in einem guten Website-Konzept
Im Prinzip können die meisten Punkte aus Geschäftsplänen und dem Projektmanagement auch analog auf Websites angewendet werden. Wie ausgefeilt das Konzept sein sollte, hängt von der der Motivation hinter dem Webprojekt und dem finanziellen Risiko ab. Die folgenden drei Punkte sollte jedoch jeder abklären:
- Wie lautet die Zielsetzung und wie kann das Ziel erreicht werden? „Eine Website haben" ist ebenso wenig hilfreich wie das abstrakte Ziel „Geld verdienen". Ein genaues Bild von Erlösmodellen und Vermarktungsmöglichkeiten ist anfangs leider oft gar nicht vorhanden. Selbst Refinanzierung nicht gänzlich außer Acht lassen. wer primär keine kommerziellen Motive hat, sollte verschiedene Möglichkeiten zur Refinanzierung nicht gänzlich außer Acht lassen.
- Welchen Mehrwert kann eine Website dem Besucher/Kunden bieten? Was kann - sowohl aus vorhandenen Konkurrenten? Im Web können auch mehrere gleichartige Webprojekte nebeneinander existieren, aber ein kommunizierbarer Mehrwert erleichert die Vermarktung (und auch den Linkaubau!) deutlich und kann zu einer höheren Rentabilität beitragen.
- Wie kann die Website gute Links aufbauen? Während Keyword-Strategien bei der Website- Planung schon oft berücksichtigt werden, fehlt in vielen Fällen noch eine Linkaufbau-Strategie. Wie einfach oder schwierig der Linkaufbau ist, hängt wesentlich von Thema und Typus eines Webprojekts ab. Es sollten von Anfang an „Linkmagneten" (die vom Kernthema auch eine Spur abweichen dürfen) geplant und integriert werden, die freiwillige Links anziehen und den Linkhandel ebenfalls erleichtern.
2) 3 häufigste Fehler bei der Konzeption von Webprojekten
- Themengebiet ist zu breit angelegt statt Fokussierung auf Nische. Wer mit knappen Ressourcen arbeitet, sollte sich zuerst auf eine gut überschaubare Nische konzentrieren. Websites mit hoher inhaltlicher Tiefe bieten gegenüber oberflächlichen mit breitem Themenspektrum einen Mehrwert und haben Vorteile beim organischen Linkaufbau. Erst danach aus der Nische heraus schrittweise expandieren.
- Eine „fertige Website" als Ziel statt einer iterativen Vorgangsweise. Nicht jede Website muss von Anfang an fertig sein. Baustellen-Seiten sollten vermieden werden, aber eine funktionierende Basis genügt. Die Nutzung sollte dann genau analysiert werden - erst im Laufe der Zeit zeigt sich wirklich, in welchen Bereich weiter investiert werden sollte. Iterative Vorgangsweise verringert die Gefahr, bei der Entwicklung einen Irrweg einzuschlagen.
- Finanzieller Aufwand wird unterschätzt, insbesondere laufende Kosten nach der anfänglichen Erstellung müssen bedacht werden (neben den Betriebskosten auch u.a. noch laufende Content-Erstellung, Marketing-Maßnahmen, Wartung und Weiterentwicklung).
- Bonus: Themenwahl nach finanzieller Attraktivität statt Kompetenz und Interesse. Motivation wirkt sich langfristig auf Qualität und Erfolg einer Website aus.
3) 3 häufigste Probleme in Folge schlechter Website-Planung
- Mangelnde Attraktivität für freiwillige Linksetzung.
- Umsatz steht in einem unbefriedigenden Verhältnis zum Traffic. Nicht nur Conversion-Optimierung ist wichtig, sondern auch die Kaufabsicht von Besuchern. Bei Auswahl von Zielgruppe und Keywords muss darauf geachtet werden, welche Absicht dahinter steckt.
- Die Website ist schlecht erweiterbar. In vielen Fällen auf schlechte Umsetzung im bei der Programmierung zurückzuführen, aber vorliegende Grobkonzepte für spätere Weiterentwicklungen können diese Gefahr eindämmen.
4) 3 alternative Einnahmequellen für kleinere Online-Projekte
Wenn jemand über seine Websites direkt eigene Produkte oder Dienstleistungen anbieten oder bewerben will, liegt das Erlösmodell schon auf der Hand. Wer aber kein „klassisches Geschäft" betreibt oder vielleicht sogar nur ein Hobby-Projekt finanzieren will, hat mitunter auch einige weniger offensichtliche Möglichkeiten. Klassische Werbung und auch Affiliate-Modelle sind insbesondere bei weniger frequentierten Websites keine Ideallösung.
- Linkverkauf - auch wenn gerade in der jüngsten Zeit über moralische Bedenken diskutiert wurde, bleibt Linkverkauf gerade für kleine Seiten eine attraktive Einnahmequelle. Die Vermietung eines einzelnen Link deckt meist schon Domain- und Hosting-Kosten. Weitere Einnahmen sind möglich, ohne dass man sich laufend an der Website arbeiten muss.
- Projektverkauf - dieses Modell ist am schwierigsten planbar (unbestimmte Einnahmen nachdem zuerst einiges investiert wird, mit dem Risiko von versunkenen Kosten). Die Nachfrage ist aber durchaus vorhanden, wichtig ist aber ein gewisser Mehrwert (etwas das potentiell Käufer nicht einfach selbst bzw. mit bezahlten Textern und Linkbuildern um den gleichen Preis nachmachen könnte - beispielsweise dank speziellem Knowhow zu einem Thema) sowie ein Vermarktungspotentiale (welches von Käufer dank seiner Ressourcen besser genutzt werden kann, wodurch es für ihn mehr Wert ist als dem Verkäufer).
- Reputationsaufbau - insbesondere mit Expertenseiten kann man sich ein Reputation aufbauen. Das hilft nicht nur wenn man Beratungsleistungen verkauft, sondern auch bei einer Job-Bewerbung in der Branche.
5) 3 Tipps für die richtige Balance von Onpage-SEO und Usability
- Viele grundlegende Optimierungsmöglichkeiten stehen miteinander weitgehend im Einklang, beispielsweise eine gute Accessibility, eine gute Informationsarchitektur oder Ladezeiten.
- Keine der Optimierungsmöglichkeiten einseitig betonen und andere vernachlässigen. Die Zielfunktion kann über die folgende Formel definiert werden: Conversions = Trafficpotential x Anteil Impressions x Click-Through-Rate x Conversionsrate. Jeder dieser Bestandteile wird über SEO und/oder Usability beeinflusst. Über diese 4 Bestandteile (400%) kann jedoch nur ein begrenztes „Budget" verteilt werden(<400%), diese Budgetlimitation steht für die Zielkonflikte. Um die Zielgröße bei einer Multiplikation zu maximieren (vergleichbar mit dem Umfang eines Rechtecks), müsste jeder einzelne Faktor exakt Budget/n sein - also das Budget zu gleichen Teilen aufgeteilt werden. An einem einfachen Zahlenbeispiel demonstriert: 75% x 75% x 75% x 75% wäre mehr als 80% x 80% x 70% x 70%. Es bringt also beispielsweise nichts, wenn man das letzte Quäntchen bei SEO herausquetscht, dabei aber im gleichen Ausmaß bei der Usability einbüßt.
- Klassisches Cloaking mit unterschiedlicher Auslieferung von Inhalten sollte man bei wichtigen Websites meiden. Durch „legale" Tricks mit AJAX kann man aber SEO und Usability besser unter einen Hut bringen (z.B. Conversion-optimierte Einstiegsseite in einem AJAX-Tab, Keyword-optimierter Zusatztext in einem zweiten Tab).
6) 3 Tipps für das interne Controlling-System (Website Analyse)
Es gibt bereits zahlreiche leistungsstarke Webanalyse-Tools, die mehr Daten liefern als man in der Regel braucht. Dennoch kann der Aufbau eines simplen internen Webanalyse-Systems nützlich sein. Wer eine Website selbst programmiert, kann die folgenden Teilsysteme mit geringem Aufwand implementieren. Damit generiert man Rohdaten, die man über eine relationale Datenbank flexibel und zielgerichtet einsetzen kann, was mit bestehenden Tools nicht immer möglich ist.
- Jeder Besucher bekommt beim ersten Seitenaufruf (=kein gesetztes Cookie) eine Besucher-ID. In der Datenbank wird gespeichert, über welche Quelle der Besucher beim ersten Seitenaufruf kam, und über welche externe Quelle der Besucher zuletzt kam. Jede messbare Zielaktion wird mit der Besucher-ID verknüpft. Derart kann man jede Aktion auf eine Quelle zurückführen, und verschiedene Quellen über eine Deckungsbeitragsrechnung bewerten.
- Jeder Seitenaufruf über eine externe Quelle wird außerdem extra mit einem Zeitstempel gespeichert. Über die Datenbank kann man dadurch ermitteln, wann erstmals ein Besucher über eine bestimmte Quelle gekommen ist. Es wird damit möglich, „Link Alerts" für die eigene Website selbst zu erstellen und zeitnäher als bei jeder anderen Lösung über neue Links benachrichtigt zu werden. Dabei kann und sollte man nach Websites und neuen Suchmaschinen-Keywords trennen.
- Für erkannte Keywords kann man umgehend auch die Position in Suchmaschinen ermitteln. Alle Keywords können automatisch zu einer eigenen Keyword-Liste hinzugefügt werden, um dann die Positionen in regelmäßigen Intervallen zu prüfen. Dadurch können Positionsänderungen und Änderungen im Traffic-Volumen in Zusammenhang gesetzt werden, der Wert einer Positionsänderung wird unmittelbar erkennbar.
7) 3 beste Tipps für den nachhaltigen (organischen) Linkaufbau
Exzellente Inhalte sind nach wie vor die ideale Basis für den Linkaufbau. Sie erleichtern jede Form des Linkaufbaus - ganz egal ob man nur auf freiwillige Links wartet, seine Links aktiv in Foren unterbringt oder Linktausch betreiben will.
- Nach der Erstellung der Inhalte sollte man nicht nur passiv auf freiwillige Links warten. Aktiv auf andere Leute zugehen und für einen Link zur Website „werben". Wer rechtzeitig echte Beziehungen zu potentiellen Linkgebern aufbaut und nicht nur Bittsteller ist, hat dabei bessere Erfolgschancen.
- Kommentarlinks, Webkataloge und Artikelverzeichnisse werden langfristig immer schlechter funktionieren und sind auch kein schwer imitierbarer Wettbewerbsvorteil. Am ehesten lassen sich nachhaltige Links in Online-Foren setzen. Wichtig ist es dabei, nicht nur einmalig einen Werbelink in einem Post unterzubringen, sondern sich in die Community ein wenig einzuleben und sich dort einen Status als Experte zu erarbeiten. In Foren kann man Linkbuilding auch gleich mit Kontakt- und Reputationsaufbau verbinden.
- Linktausch ist keineswegs so schlecht wie sein Ruf, insbesondere wenn die Möglichkeiten zum Linkbuilding eingeschränkt sind. Für ausgehende Links sollten aber separate unverbundene „Satellitenseiten" angelegt werden, bei der man ähnliche Qualitätsmaßstäbe wie für die Hauptseite anlegt. Keine Links von Satellitenseiten, die offensichtlich nur zum Linktausch dienen, akzeptieren.
8) 3 Tipps für 2.0-Funktionalität und Interaktivität von Webseiten
- Nicht jedem Trend nachlaufen, sondern Entwicklungen frühzeitig antizipieren und nach Möglichkeit auch selbst experimentieren. (Auch bei SEO gilt frei nach Matt Cutts: nicht nur dem derzeitigen Algorithmus nachjagen, sondern nachhaltig optimieren.)
- Empfehlungssysteme sind ein unterschätzter Faktor mit Optimierungspotential (in E-Shops und sonstigen produktorientierten Websites). Gute Empfehlungssysteme können nachweislich den Umsatz und Besucher-Interaktion erhöhen. Die Netflix Price Competition mit 1 Million Dollar Preisgeld unterstreicht die Bedeutung von Empfehlungssystemen.
- Community-Features wie Wikis sind kein Selbstläufer. Die Beteiligungsbereitschaft bei Wikipedia lässt sich nicht auf Unternehmensseiten übertragen. Anreize sind wichtig, warum sollte jemand unentgeltlich für ein gewinnorientiertes Unternehmen arbeiten wollen?
9) 3 Richtungen, in die Websites sich zukünftig entwickeln werden
- Websites waren einst die zentrale Anlaufstelle und einzige offizielle Quelle. Der Trend geht nun in Richtung zunehmender Fragmentierung (Facebook, Twitter, Apps, ...), die Website ist nicht mehr der einzige Einstiegspunkt. Kosten und Betreuungsaufwand steigen dadurch.
- Inhalte werden in die „Cloud" verlagert, Facebook-Seiten statt einer Website gepflegt. Kontrolle wird abgegeben, Abhängigkeiten entstehen.
- Premium Content bekommt eine neue Chance. Die absehbare Verbreitung von NFC-Bezahlsystem wird Web-Bezahlsysteme mitziehen. Vereinfachte Bezahlsysteme, deren stärkere Verbreitung und neue Ansätze wie der Chrome App Store werden Bezahlvorgänge erleichtern und Barrieren für Paid Content abbauen. An der „Kostenloskultur" wird sich nichts ändern, Freemium-Modell wird Standard.
10) 3 Tipps zu Informationskanälen abseits der eigenen Website
- Content- und Kommunikationsstrategie an jeden Kanal anpassen, spezifische Vorteile gezielt nutzen. Einseitige Kommunikation und „Pressemeldungs-Charakter" in Social Networks bringt praktisch keinen Mehrwert (abgesehen von einer Alternative zum Feedreader). Auf sozialen Kanälen steht Interaktion im Vordergrund, die Website ist die bessere Plattform für Informationen.
- Nutzer ansprechen, die Interesse am Produkt/Unternehmen haben. Hohe Follower/Fan-Zahlen bringen nichts, wenn kein Interesse dahintersteckt. „Follow-Tausch" und themenfremde Kontakte sind daher nicht zielführend.
- Website nicht vollkommen vernachlässigen oder gar durch Facebook-Page ersetzen. Nur bei der Website ist man von anderen weitgehend unabhängig. Entgangene Links auf die Website können später fehlen, wenn man wieder mehr auf die Website setzt oder Facebook eines Tages durch eine neue Plattform ersetzt wird.
- Bonus: Nicht auf jeder Party tanzen, stattdessen auf die 2-3 wichtigsten Kanäle neben der Website fokussieren. Ein sinnvoll genutzter Kommunikationskanal bringt mehr als die Präsenz auf jeder denkbaren Plattform.
11) 3 wichtige und für Website-Betreiber relevante Internet-Trends
- Mobiles und lokales Internet sind unaufhaltsam. Augmented Reality wird damit in ein paar Jahren auch zu einer Massenanwendung. Die Hersteller von AR-Apps könnte dabei eine ähnlich wichtige Rolle spielen wie Suchmaschinen im Web.
- Der Direktvertrieb von (digitalen) Gütern wurde als großer Vorteil des Internets gesehen. Der oftmals diskutierte Kampf zwischen Disintermediation und Reintermediation hat aber eine neue Wende bekommen. Neue Intermediäre wie iTunes Store und App Stores bündeln Angebote und werden die ganz großen Gewinner. Auch Facebook könnte zu einem zentralen Marktplatz heranwachsen. Anbieter von mobilen Bezahlsystemen werden mittelfristig massiv an Bedeutung gewinnen. Googles Android-Investitionen könnten sich über den Umweg eines NFC-Bezahlsystems rentieren. Google, Apple und Paypal sind in der besten Position, um Kreditkarten-Unternehmen den Kampf anzusagen.
- Sowohl Internetsuche als auch soziale Netzwerke legten bisher parallel zu. Kommt es in Zukunft zu einer Kannibalisierung? Werden Suchfelder in sozialen Netzwerken ebenso umkämpft werden wie im Webbrowser? Oder wächst Facebook gar zu einem Parallelweb heran?
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Der Link sieht dann so aus: 33 Tipps für erfolgreiche Webprojekte <- Text kann natürlich variiert werden
Thomas, vielen Dank an Dich für die ausführliche Beantwortung unserer 11 Fragen und die tollen Tipps. Dein Know-How rund um die Konzeption und den Aufbau von erfolgreichen Internetprojekten bereichert unsere "11 Fragen, 33 Tipps"-Reihe um einen wichtigen Aspekt. Die bisher 18 Interviews auf 1 Blick
Kommentare
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